brei’n'windel statt jog’n'yoga

Als mir letzte Woche mittags das volle Sauerkirschglas in der Küche runtergefallen ist, der rote Pappsaft mit Glassplitter sich in der Küche verteilt hat, mein Finger zum Bluten anfing und unsere kleine Matilda im Hintergrund zum Schreien angefangen hat, dachte ich mir, es wäre an der Zeit, einen Artikel zu schreiben, wie wenig mein Leben seit einem Jahr mit Joggen und Yoga zu tun hat.

Überraschende Schwangerschaft einher mit 3-monatiger Ganztagesübelkeit hat Anfang letzten Jahres meine gewohnten Hobbies ganz schnell verschwinden lassen. Auch wenn ich natürlich dann mit Schwangerschaftsyoga begonnen habe und einer Aktivität, die bis heute täglich am Plan steht: Spazierengehen – hilft gegen Übelkeit, bringt frische Luft, lässt sich mit Bauch und jetzt mit Kinderwagen durchführen, ist notwendig, um dem Baby seinen Mittagsschlaf zu geben – und: man hat danach i.d.R. keine verschwitzten Klamotten (‘suche dir in allem das Positive’).

Nach 5 Monaten Mama-Sein muss ich mir eingestehen, dass ich dachte, es wäre einfacher, sein altes Leben ein bisschen weiterzuleben… Das klingt vielleicht wehmütig, ist es aber gar nicht, weil für Wehmut sowieso keine Zeit bleibt, ganz zu schweigen von Energie für Laufen oder Yoga.

Baden, wickeln, füttern, spielen, tanzen, aufheben, hochwerfen, in den Carrier schnallen, wickeln, füttern, waschen, aufräumen, raus an die Luft, Kinderwagen auf- und abbauen, einkaufen, Maxi Cosi rein und raus… all das und noch viel mehr nimmt nun den Platz meiner früheren Computerarbeit ein und kostet Energie, so dass ich absolut kein Bedürfnis verspüre, abends um 7 oder gar morgens um 7 (wie ich es früher geliebt habe) meine Running Schuhe anzuziehen (hier wäre jetzt auch der Punkt, auf Schlafgewohnheiten meiner Tochter einzugehen, aber darüber wird eh schon viel zu viel geredet, und ändert eh nix).

Um es auf den Punkt zu bringen: meine 3x Laufen die Woche und mindestens 2x Yoga existieren nicht mehr… Ich war im Jahre 2011 zweimal Laufen und habe genau 1x Yoga für mich (d.h. kein Schwangerschafts- oder Baby-Yoga) gemacht. Doch irgendwie hatte ich immer im Hinterkopf gehabt “wenn Matilda dann 3 Monate alt ist, werde ich zumindest einmal die Woche wieder laufen gehen…”, “wenn Matilda dann mit 4 Monaten 1x am Tag Fläschchen trinkt…” oder “wenn Matilda dann 2 Stunden mittags schläft…”!
Ich habe also immer irgendwie drauf gewartet, dass ich Teile meines alten Lebens wieder aufgreifen kann – und dachte doch irrsinniger Weise, dass ich das steuern kann! Jetzt endlich, nach 5 Monaten habe ich es kapiert: Tilda gibt die Geschwindigkeit vor, ganz einfach! Und der Zeitpunkt, wo ich Lust und Energie habe, Laufen zu gehen, wird kommen, aber wahrscheinlich seh ich das erst, wenn er da ist.

Dank meines Jobs (Projektmanagement von Online Projekten) kann ich weiterhin ein bisschen von zuhause aus arbeiten (oh, hallo altes Leben!).
Lächerliche 2 Stunden am Tag lassen sich aber nur mit ca. 12 x 10 Minuten bewerkstelligen lassen, was dann doch den ganzen Tag in Anspruch nimmt und sich abends wie 8 Stunden anfühlt. Trotz dieser eindeutigen Tatsache, dass das nicht viel Sinn macht, mache ich es gerne… mein Anker zur Außenwelt, Kontakt zu Leuten, die andere Themen haben (selbst wenn die Themen Brei, Flasche und Kita für mich eigentlich grad die interessanteren sind). Allerdings sehe ich schon, dass hier ein bisschen Outsourcing der Kinderbetreuung angesagt wäre, dann hat Tilda in der Zeit mehr Spaß und ich ein weniger schlechtes Gewissen, weil ich am Monitor klebe anstelle in Fühlbüchern zu blättern. Aber sowas wird einem auch erst nach dem ein oder anderen Nervenzusammenbruch bewusst :-)

Eigentlich sollte ich nun mit so einem Mama-Blog anfangen wie Slomo, weil meine alltäglichen Themen gerade nicht wirklich zu jog’n'yoga passen, außer eben, dass man auch ohne Joggen und Yoga glücklich sein kann, wenn man die tollste Tochter der Welt hat!

 

Matilda, 5 Monate

Matilda, 5 Monate

Alles hat seine Zeit bzw. es ist nicht immer Zeit für alles, und es ist gut, wenn man das einsieht und annehmen kann!

p.s.: Das 2. Glas Sauerkirschen hab ich dann leider vor abendlicher Erschöpfung und Angst, die ganze Sauerei zu wiederholen, gar nicht mehr aufbekommen und der Kuchen fand erst einen Tag später seinen Weg ins Backrohr. Trotzdem lecker!

Kommentare
1 Antwort to “brei’n'windel statt jog’n'yoga”
  1. flora sagt:

    jaaaaaaaaa sehr lecker ;-)

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